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Frankenstein
 
 

 

 

 

Die Geschichte des Dorfes Frankenstein einschließlich Diemersteins
Kurzfassung von Erwin Grasmück

Während über die Burgen, ihre jeweiligen Eigentümer, die verschiedenen Erbfolgen oder Veräußerungen genaue Daten vorliegen und es ausreichend Literatur gibt, weiß man über die ,einfachen Menschen‘ zumindest in den Anfangsjahren der jeweiligen Dörfer nur sehr wenig. Das ist auch in Frankenstein und Diemerstein so. Man liest lediglich ab und zu von den Burgknechten und -mägden, von Harzbrennern, Pottaschsiedern und Köhlern. Es müssen also vermutlich im Anschluss an den jeweiligen Burgbau kleine Siedlungen beziehungsweise Einzelgehöfte entstanden sein, deren Besitzer zum großen Teil Leibeigene waren und für die entsprechenden Burgherrn arbeiteten. Aus den wenigen Daten und Namen muss man sich deshalb mosaikartig ein Entstehungsbild des Dorfes ,,zusammendenken“; eine exakte Einhaltung der zeitlichen Reihenfolge kann dabei nicht immer gewährleistet werden.

Die Grafen von Leiningen besaßen schon frühzeitig unterhalb der Burg Frankenstein einen Wirtschaftshof, über dessen genaue Lage nichts bekannt ist. Auch gab es eine Zollstation, deren Existenz bereits im Jahre 1420 durch einen Brief des Rates von Kaiserslautern nachgewiesen wird. Diese Zollstation brachte manchen Ärger mit sich. Im 16. Jahrhundert gab es Zollstreitigkeiten vor allem mit der Kurpfalz. 1607 sollte daher diese Station laut Reichskammergericht von Speyer beseitigt werden; 1614 wurden deswegen Zeugen vernommen. Im Dreißigjährigen Krieg kam der Zoll dann zum Erliegen. Auch die Diemersteiner Herren richteten eine Zollstation ein [,an der durch das Tal ziehenden Landstraße ein Post- und Zollhaus“]. Dies geschah vermutlich nach 1648. 1659 wird ein ,,lauterischer Zöllner“ mit dem Sitz in Diemerstein erwähnt. Im Jahr 1673 beschwert sich die Gemeinde Hochspeyer über den hohen Diemersteiner Zoll. Auch er kam dann bald zum Erliegen. Bereits im Jahre 1525 soll im ,,Schlierenthal“ (Schlierthal) ein Hof gewesen sein. Im Jahre 1530 gibt es einen genau formulierten Pachtvertrag zwischen dem Grafen Emich von Leiningen und einem Hofbesitzer Jörg Rattenkopf im Frankensteiner Tal. Pfalzgraf Casimir kauft von Ritter Bonn etwa um 1576 die Diemersteiner Mühle [,,an der Bächelsbach befindlich“]. Georg Bonn von Wachenheim verkauft am 02.09.1618 an die Kurpfalz unter anderem ,,ein im Tal am Fuße des Schloßberges liegendes, aus 12 Hausgesäßen bestehendes Dörflein mit aller Oberherrlichkeit und Gerechtigkeit, (...) die Mahl- und Bordmühle im Tal , ein Hof nebst 200 Morgen Ackers und 25 Morgen Wiesen (Diemersteiner Hof) eine neuerbaute Glashütte.

Der Dreißigjährige Krieg hat Frankenstein und seinen Bewohnern sehr geschadet. Ein Bewohner, Hans Heilmaun, berichtet im Jahre 1659, anlässlich einer Besprechung der Frankensteiner Grundherren, dass zu Beginn des Krieges im Jahr 1618 zirka 15 Familien mit einhundert Bewohnern in Frankenstein waren, sechs Jahre später, also 1624, waren es gerade noch vierundzwanzig Menschen, und im Jahre 1635 waren es 9 Familien. Er spricht auch vom Wiederaufbau der Frankensteiner Mühle und des Hirtenhauses.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts begannen Frankensteiner Untertanen mit der Anlage von Häusern, Gärten und Wiesen, "links des Hochspeyerbaches“. Es gab deswegen Streitigkeiten mit den Limburgern und der Kurpfalz; beide verlangten Abgaben. So kam es, auf Einspruch des Frankensteiner Schultheißes Konrad Nabinger, zur Bildung einer Schlichtungskommission. Im Kaspertal im Diemersteiner Wald war 1767 ein Anwesen von der Familie Theodor Lutz , bewohnt, eine kleine Ansiedlung im Glashüttertal [vermutlich die ,,alten Häuser“ im Langenthal] war noch bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts besiedelt.

Die Familie Ritter dominierte über Jahrzehnte das Dorfleben. Siegmund Friedrich Ritter (1724- 1787) und seine Ehefrau Maria Elisabetha Geib, verwitwete Diemer, Thurn- und Taxische Posthalterin, ließen 1763 durch Baumeister Schmeiser das Posthaus am Eingang des Diemersteiner Tales errichten. Siegmund Ritter war: ,,Keysserlicher Reichs Posthalter und Kurpfälzischer Schultheiß und Zoller“ [Grabinschrift]. Er errichtete 1771 auch den späteren Klaftertalerhof. Diesen veräußerte man aber 1881 wieder an die Holzhändler Johann Schüler und Jakob Ruby von Hochspeyer.

Karl Adolf Ritter (1752- 1829) rettete 1793 den Herzog Karl-August von Zweibrücken durch eine List vor der Gefangennahme durch die Franzosen. Als Postillion verkleidet saß der Herzog neben Ritter auf dem Kutschbock und der auch bei den Franzosen hochangesehene Frankensteiner brachte ihn durch die französischen Postenketten nach Mannheim in Sicherheit. Eine lebenslange Freundschaft zwischen dem späteren bayerischen König Max 1., dem Bruder des Geretteten, sowie dem ganzen Haus Wittelsbach und der Familie Ritter war der Dank für diese Tat. Der Bayernkönig schenkte dem Posthalter einen silbernen Ehrendegen und ließ für seinen Freund Ritter unter anderem auch den Felsdurchbruch an der Eisenkehl durchführen, damit die Personen- und Postbeförderung schneller und bequemer wurde.

Im Jahre 1794 schlug der damalige Oberst Blücher die Franzosen bei Frankenstein und Weidenthal. Er hatte dazu ,,beim Ritterhof‘ immerhin zwei Husarenschwadronen, eine Jägerkompanie, sowie das Grenadierbatallion Kunitzki versammelt. Das Gefecht fand am 22. Mai 1794 statt. Eine Woche später, am 28. Mai wurde Blücher, nach dem siegreichem Gefecht bei Edenkoben, zum Generalmajor befördert. Die ,,Blücherschanzen“ im Wald zwischen Dienierstein und Fischbach erinnern heute noch an ihn.

Im Jahre 1834 standen, zusammen mit anderen Pfälzern, Peter Eymann, Müller in Diemerstein und Karl Ritter, Posthalter in Frankenstein als Angeklagte vor dem Königlichen Oberappellationsgericht. Sie wurden wegen ,,Hochverrates gegen das Bayrische Volk‘ in Zusammenhang mit dem Hambacher Fest von 1832 zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Im Jahre 1836 wurde für die Gemarkung Frankenstein mit der Liquidation, das heißt der Anerkennung der einzelnen Besitzstände, die erste Landesvermessung abgeschlossen. Aus den Unterlagen ist ersichtlich, dass es unter den Grundbesitzern folgende Berufe gab: 39 Tagelöhner, neun Händler, acht Leineweber, drei Schuhmacher, zwei Hufschmiede, zwei Metzger, zwei Gastwirte, zwei Schneider, zwei Schreiner, zwei Schullehrer, einen Bäcker, einen Müller, einen Wagner, einen Soldaten, einen Feldschützen, einen Rinder- und einen Schweinehirten. Die größten Grundbesitzer hießen damals: Ritter, Kölsch und Haffen. Dreiundzwanzig Personen waren des Schreibens unkundig und signierten mit drei Kreuzen. Acht Bürger unterzeichneten ,,jiddisch“.

Im Jahre 1837 erging die Königliche Entscheidung über den Bau einer Bahnstrecke von der damaligen Rheinschanze, dem heutigen Ludwigshafen, nach Bexbach. Am 2. Februar 1848 wurde der Abschnitt Frankenstein - Kaiserslautern dem Verkehr übergeben, am 5. August 1849 war die gesamte Strecke vollendet. Der Leiter dieses damals technisch unwahrscheinlich schwierigen Werkes war der ,,Betriebsdirektor der Pfälzischen Ludwigsbahn“ Paul Camille von Denis. Der Verwaltungsrat der Bahngesellschaft schenkte ihm als Belohnung die Burgruine Diemerstein mit Umland.

Mitte des 19. Jahrhunderts arbeitete die Mehrzahl der Frankensteiner Männer im Wald, in den Steinbrüchen rund um das Dorf oder in den Sägewerken, deren es mehrere gab. Im Jahre 1857 richtete der Gemeinderat einen Antrag zur Errichtung einer Postexpedition an das ,,Königliche Hochlöbliche Oberpostamt“ in Speyer und verwies dabei auf die verkehrsgünstige Lage Frankensteins und auf die Gewerbe- und Handelstätigkeiten (Säge-, Öl- und Mehlmühlen, Spezereiwarenhandel, sowie auf das Schlösschen in Diemerstein im Besitz der ,,Banquieurs­Familie Ladenburg“).

Einige statistische Angaben aus dem Gemeindearchiv zeigen das Wachstum der Gemeinde auf. Nach den Bevölkerungslisten gab es in Frankenstein einschließlich Diemersteins im Jahre 1800 414 Einwohner, 1814 483 Einwohner und 1823 bereits 607 Einwohner. Hiervon waren 379 Protestanten, 110 Katholiken, 65 Mennoniten und 53 Juden. Im Jahre 1855 hatte Frankenstein 710 Einwohner und 1900 waren es 818 Einwohner. Diemerstein war in diesen Jahren geradezu eine ,,Mennonitenhochburg“. Es gab im Jahre 1800 dort 39 mennonitische Personen, 1814 sogar 41 Mennoniten, 1823 waren es 50 und 1855 waren es dann allerdings nur noch 17.

Die meisten Frankensteiner waren arme Leute. Eine Reihe von ihnen, 27 Personen, wurden im Jahre 1840 im Einwohnerverzeichnis als ,,konskribierte Arme“ bezeichnet; zwischen 1850 und 1854 wanderten aus Armut vierundzwanzig Familien und fünf Einzelpersonen aus!

Die Nachfolger der ,,Reichsposthalter Ritter“, deren Transportmonopol durch den Bau der Eisenbahn praktisch zum Erliegen kam, waren als Landwirte und Brauereibesitzer dennoch wohlhabende Leute geblieben.

Frankenstein war - aufgrund seiner strategisch wichtigen Lage - zu allen Zeiten- militärisches Durchzugs- bzw. Aufmarschgebiet. Waren im Dreißigjährigen Krieg bereits die Schweden, Kroaten und andere Soldateska marodierend in unserem Tal unterwegs gewesen, so wurde das Dorf im Jahre 1870 zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges von Militär geradezu ,überschwemmt“. Nach einem Bericht der Frau des damaligen Försters Rotberg überfluteten wahre Heerscharen das Dorf. Man sah: preußische Husaren, Dragoner, Ulanen, Infanterie, Artillerie, ein großen Fuhrpark, Gardejäger u.s.w.. Anfang August bezogen an einem Samstag 30 000 Mann Feldlager auf den Wiesen oberhalb des Dorfes. Die Offiziere waren im Dorf untergebracht, der Prinz Salm-Salm mit seinem Stab war bei Bürgermeister Ritter einquartiert.

Mitte des 19. Jahrhunderts hielt die Industrialisierung in unserer Umgebung ihren Einzug. Papier- und Tuchfabriken entstanden, eisen- und lederverarbeitende Werke wurden gebaut und die Chemiestadt Ludwigshafen mit ihren vielen Fabriken erlangte Weltgeltung. Frankensteiner Männer und Frauen fanden neue Arbeitsplätze. Im Dorf gab es in Bahnhofsnähe eine Gewehrschaftfabrik. Die Frauen verdienten im Tagelohn auf den Feldern im Dorf ein ,,Zubrot“.

In der Villa Denis wurde am 21.04.1861 der Pfälzer Turnerbund gegründet.

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) forderte unter der Frankensteiner und Diemersteiner Bevölkerung dreiundfünfzig Opfer. Junge Burschen und Familienväter starben an allen Fronten den "Heldentod". Einige Sandsteintafeln mit den Namen der damaligen Tunnelbewacher, fast ausschließlich ältere Landwehrsoldaten, erinnern noch an diese schreckliche Zeit. Von 1918-1930 war Frankenstein von den Franzosen, vorwiegend farbigen Kolonialsoldaten, besetzt. Auch Frankensteiner Eisenbahner, sechzehn an der Zahl, die gegen die französische Besetzung passiven Widerstand leisteten, wurden ausgewiesen und mussten über Nacht mit ihren Familien in die Fremde. Mit dem Pferdefuhrwerk ging es, nur mit dem Allernotwendigsten versehen, bis Bad Dürkheim, dann mit der Rhein-Haardt-Bahn bis Mannheim. Fast alle wurden in Franken oder der Oberpfalz untergebracht und konnten erst nach vielen Monaten wieder nach Hause.

Im Jahre 1917 wurde der "Frankensteiner Bub" Ludwig Sebastian zum Bischof von Speyer berufen. Er war ein hervorragender und würdiger Vertreter unserer Gemeinde.

Die jüdischen Familien verließen den Ort fast alle schon vor der NS-Herrschaft. An die Stelle ihrer verlassenen kleinen Synagoge wurde 1932 die heutige katholische Kirche gebaut, nachdem die katholische Pfarrgemeinde das Anwesen erworben hatte.

Das ,Dritte tausendjährige Reich“ hielt mit all seinen politischen Auswirkungen Einzug in Frankenstein und endete mit dem Zweiten Weltkrieg auf tragische, mörderische Weise. In diesem Wahnsinnskrieg verlor Frankenstein achtundachtzig Männer und Frauen. Besonders tragisch waren die Ereignisse der letzten Kriegstage, wo unter Artillerie- und Panzerbeschuß, besonders aber durch Bombenabwürfe und massive Jabo ( Jagdbomber) -Angriffe das Dürkheimer Tal zum ,,Tal des Todes“ für viele unserer Soldaten und Zivilpersonen wurde.

Nur langsam festigte sich das Dorfleben in den Nachkriegsjahren. Das Vereinswesen blühte wieder auf, Sportstätten wurden gebaut, schon früh gab es eine Kanalisation und 1967 wurde ein neues Schulgebäude eingeweiht. Die evangelischen neu errichteten Heime in Diemerstein, ein Bürgerhaus, die neue Straße zur Kehre und die Generalrenovierung der Villa Denis in jüngster Zeit seien als Fixpunkte eines aktiven Dorflebens genannt. Mehr als dreißig neue Bauplätze sind im ,,Thörigtal“ geschaffen worden.

Wenn die Frankensteiner nunmehr ihr 850-jähriges Jubiläum feiern, können sie auf turbulente Zeiten zurückblicken, voller Freud und Leid, Jubel und Trauer. Straßen- Bahn- und Flugverkehr mit allen Vor- und Nachteilen prägen unter anderem das derzeitige Leben im Dorf. Aber, wenige Minuten abseits von all dieser Hektik, hat Frankenstein schöne und ruhige Wanderwege, glasklare Bäche und Weiher sowie interessante Felsenformationen. Und über all dem thronen die Burgruinen Frankenstein und Diemerstein und sind zeitlose, imposante Zeugen unserer Geschichte.

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